Von Fake Hochzeiten und Portfolio Workshops

Fake Hochzeiten? Was soll das denn sein?

Aber ja: Ihr habt richtig gelesen. Als ich zum ersten Mal die Werbung für eine Fake-Hochzeit im Internet entdeckt habe, habe ich mir ebenso verwundert die Augen gerieben.

Da wird also eine komplette Hochzeit mitsamt der Darsteller nachgestellt. Unter idealen Bedingungen versteht sich, da es für den kompletten Tag ein Storyboard gibt.

Das Ziel des Veranstalters ist es, für alle Dienstleister perfekte Aufnahmen zu generieren. Natürlich nehmen auch Hochzeitsfotografen an diesem Event teil und die dort entstandenen Bilder werdet Ihr dann bald auf ihren Websites finden. Und ich wage mal zu bezweifeln, dass die beteiligten Fotografen erwähnen werden, dass die Bilder allesamt gestellt sind. Doch was hat das denn nun mit Euch und Euren Bildern zu tun?

Für Eure Hochzeit wird es kein Storyboard geben. Eure Hochzeit wird lebendig und echt sein und es wird sich keine Szene, die nicht perfekt im Kasten ist, wiederholen lassen. Hier müsst Ihr auf die Erfahrung Eures Fotografen vertrauen können.

 

Dieses Fake Event ist eigentlich auch nur die Spitze des Eisbergs. Schon lange ist bekannt, dass auch Workshops für Hochzeitsfotografen ausgeschrieben werden, die ihre Teilnehmer mit der Aufwertung ihres Portfolios anwerben.

An dieser Stelle wollte ich ursprünglich einen Screenshot einfügen, denn ich habe im Laufe der letzten Tage viele sammeln können. Aber google doch einfach mal selbst. Einfach die Worte „Workshop“ und „Hochzeitsfotografie“ eingeben und überzeugt Euch selbst von den Suchergebnissen.

Portfolio Workshops

„Workshop für Hochzeitsfotografen (und für solche, die demnächst auch mal Hochzeiten fotografieren wollen) ….  für Dein Portfolio…“ 

„Fotos, die bei dem Workshop entstehen, dürft Ihr zur Eigenwerbung nutzen…“

So oder so ähnlich werden diese Workshops für Fotografen beworben.

Im Klartext heißt das: Egal, ob Du nun schon Hochzeiten fotografiert hast oder nicht: Buche Dich für diesen Workshop ein, dann hast Du Material für Dein Portfolio. Wer bei einem solchen Workshop, wo einem ein gecastetes Modelpaar auf dem Silbertablett serviert wird, nicht mit atemberaubenden Bildern nach Hause kommt, der hatte wahrscheinlich auch keine Kamera dabei.

Bei einem Workshop dürfte es wohl jeder schaffen gute Bilder zu machen. Wie auf unseren Seiten schon mehrfach erläutert, gibt der Workshopleiter das Szenario vor, indem er genaue Anleitungen gibt. Das Posing und die Bildgestaltung entstammen der Kreativität und dem Können des Workshopleiters. Für Hochzeitsfotografen ist es im Allgemeinen auch gut und wichtig sich weiterzubilden und weiter zu entwickeln. Alleine dass die Workshops damit beworben werden, dass sich insbesondere Neulinge in der Fotografie mit diesen Bildern ihr Portfolio aufbauen können finden wir grenzwertig. Schade, dass es fast alle Workshopveranstalter versäumen, darauf hinzuweisen, dass die bei einem Workshop entstandenen Bilder auch als solche gekennzeichnet werden müssten.

Tatsächlich wird damit geworben, dass man seine Traumkunden gewinnen könne, wenn man ihnen zeige, was sie sehen wollten. Es wird das perfekte Modelpaar mit Dienstleistern und Fake-Gästen gestellt, die eine inszenierte Boho-Style-Hochzeit nachstellen. Die nachgestellte Hochzeit beginne mit dem „Getting Ready“ und würde mit der ausgelassenen Party enden.

Ich habe nichts gegen Workshop und Weiterbildung – das finde ich super wichtig. Das absolut Erschreckende ist einfach, dass sich jeder Hobbyknipser mit 2 Workshops ein tolles Portfolio aufbauen kann, und die Paare die ihn buchen, vermutlich ziemlich auf die Nase fallen werden. Eine Hochzeit mit all ihren Facetten und Zwischenfällen souverän und natürlich zu fotografieren und in jeder Situation die Nerven zu behalten – das erfordert eine Menge Erfahrung und lässt sich nicht in 2 Tagen bei einem „entspannten, gestellten Fotoshooting“ erlernen. Bitte ihr Lieben – achtet auf die Erfahrung des Fotografen – und wenn ihr Newcomern eine Chance gebt, dann aber bitte nur, wenn sie sich auch offiziell als solche ausgeben! Dieser Tag lässt sich nicht mehr wiederholen und die Bilder sind neben den Ringen das Einzige was bleibt.

Fake ohne Skrupel

Was mich noch weitaus mehr erschreckt, ist die Tatsache, dass hochoffiziell mit dem Wort „Fake“ geworben wird und man auch keine Skrupel hat eine komplette Hochzeit nur für den Aufbau eines Portfolios nachzustellen.

Meine Bitte an Fotografen und Workshop Teilnehmer

Meine Worte habe ich in erster Linie an Brautpaare gerichtet. Natürlich gehe ich auch davon aus, dass auch Fotografen meine Zeilen lesen werden. Deshalb appelliere ich auch an diese: Kennzeichnet Eure Bilder, wenn sie nicht bei einer echten Hochzeit entstanden sind. Das ist nur fair. Und mein Appell an alle diejenigen, die solche Workshops veranstalten: Ihr macht sicher einen tollen und wichtigen Job, aber bitte haltet doch Eure Teilnehmer an, die bei Eurem Workshop entstandenen Bilder entsprechend zu kennzeichnen und kontrolliert das dann bitte auch!

 

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